Donnerstag, 28. Juli 2016
400 km südwestlich von Tokyo liegt Kyoto, das kulturelle Zentrum Japans. Hier geht es gemächlich zu… Kyoto war einst der politische Dreh- und Angelpunkt Japans, der sich ab dem 17. Jahrhundert während der Edo-Zeit an die Ostküste verlagerte.
Durch die schachbrettartige Anordnung der Straßen finden wir uns in Kyoto leicht zurecht. Mit dem Fahrrad erkunden wir die Stadt und genießen den Wind im Gesicht. Es gibt unwahrscheinlich viele UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten, darunter 1600 buddhistische Tempel und 400 Shinto-Schreine. Wir beschränken uns auf einen Tempel und einen Schrein, bevor sich alle bisher besichtigten Tempelanlagen zu einem unscharfen Bild im Kopf vereinen.

Die vielen Grünflächen Kyotos laden uns zum Träumen, Dösen und Picknicken ein. Im Garten des Tenryûji nimmt der kleine Bach all meine Gedanken mit auf seine Reise, sie fließen weiter. Innere Ruhe kehrt ein. Die Umgebung ist so friedlich und hat uns, also Robin, Hugo, Agathe, Fanny und mich, in einen tranceartigen Zustand versetzt. Von hier aus gelangt man in den magischen Bambushain, der sich an den Tenryûji anschließt. Wir wandeln durch eine Farbpalette aus Smaragdgrün, Jadegrün, Piniengrün und Türkisgrün. Als wir am Ende des Bambushains ankommen sind, waren wir von den leuchtenden Grüntönen völlig verzaubert.
Hunderte rote Torii-Bögen reihen sich am Inari-Schrein in Fushimi hintereinander, ein Ende ist nicht in Sicht. Wir pilgern von Schrein zu Schrein, den Hügel rauf und runter, an unzähligen Shinto-Friedhöfen vorbei. Die obelisk-artigen Grabsteine wirken in der Abenddämmerung schaurig-schön, niemand ist mehr hier. Umso schreckhafter werden wir, sobald sich ein Stein aus den Treppenstufen löst oder ein Ast unter unseren Füßen knackt. Kleine Laternen leuchten uns den Weg zum Gipfel, den wir nach knapp 2,5 Stunden erreichen. Jetzt trauen sich auch ein paar Fledermäuse aus ihrem Versteck und flattern über unsere Köpfe in die Dämmerung. Die Silhouette Kyotos verschwindet im Nachthimmel, wir blicken noch eine Weile auf die blinkenden Lichter der Stadt und machen uns auf den Rückweg durch die heiligen Toriis.
Am späteren Abend verlaufen wir uns in den Gassen und Gässchen in Higashiyama, die von hängenden und stehenden Laternen in ein warmes Licht getaucht werden. Robin und ich sind so verliebt in das atmosphärische Kyoto, dass wir unseren Aufenthalt kurzerhand verlängern und noch ein bisschen bleiben. Eile mit Weile… ganz wunderbar.
